Willkommen im alten Zerbst

Die Wehrmauer in Zerbst

Frauentor um 1750

von innen und außen gesehen

Von der bedeutenden Stellung der Stadt im Mittelalter zeugen noch heute Umfang und Stärke der Stadtmauer, die in einer Länge von 4,2 km einen weiten Ring umschließt.
Sie ist eine der wenigen mittelalterlichen Stadtbefestigungen im mittel- und norddeutschen Raum, die vollständig erhalten geblieben ist.
Neben den Toren und im Verlauf der Mauer befanden sich ca. 50 Wachtürme, Pulvertürme und Wighäuser (---> Streithäuser, von Wig=Streit).
Diese dienten zur Deckung beim Besteigen der Wehrgänge.

Die Mauer war von 5 Toren durchbrochen, deren 4 ältere, nämlich das Dornburger-, das Akensche-, das Frauen- und das Heidetor, mit Außentor und Zwinger versehen waren. Das 5. spätere, das Ankuhnsche Tor, hatte kein Außentor. Vor ihm liefen Wall und Graben durch.

Geschichte

1007
bei der Einnahme der Stadt Zerbst durch Chobry besteht die Befestigung vermutlich nur aus Erdwällen und Planken, vielleicht aus Lehm- und Mauerbauten.
1396 wird Zerbst als "von alters her mit Türmen und Mauern umgeben" bezeichnet. Es besteht wohl zu dieser Zeit die untere Mauer aus Findlingen, von der oberen Backsteinmauer nur halbhohe Teile.
1396 Urkunde über Erhöhung und Ausbau
1397 Der Kiekinpott
1420 zur Zeit der Hussitenkriege und der Plünderzüge der märkischen Raubritter beginnender Ausbau und Erhöhung der Mauer.
1571 wird der Wehrgang bedacht, nach außen mit Schießscharten, nach innen mit Fachwerk versehen.
1626 ersteigt Graf von Mansfeld die Mauer beim Barfüßerkloster

Stadtmauer Am Plan 1939

Inschriften in der Stadtmauer

Wenn wir einen Spaziergang um unsere Zerbster Stadtmauer unternehmen, dann können wir Zeugen aus früheren Zeiten feststellen.

So finden wir in der Nähe des wiederaufgebauten Wighauses in Zerbst-Nord eine Sandsteintafel mit folgender Inschrift: Johannes v. Berga, Georg Hornemann, Andreas LONNIES, Jacob GutHAN, ANNO 1614---> leider kann bis heute nicht nachgewiesen werden ob den Baumeistern hier die sonst übliche Ehre zu teil wurde.

Gehen wir in den Schloßgarten finden wir die wohl bedeutendste Inschriftentafel: links das Wappen der Stadt und rechts das Wappen der Askanier: Der Radt zu ZERVEST 15.48. und im askanischen Wappen: Johannes Fürste zu Anhalt 15.48.

1677 wurde die Tafel mit folgender Inschrift ergänzt: DISER. STEIN. SCHEIT. DIE. NUT. DIE. LENGE. HINAB. DEN. ANDERN. STEINEN. NACH. UND. NICHT. DIE. STADTMAUER.

Im weiteren verlauf beim Wächtergang finden wir: MIT Gottes Hilfe gebaut im Jahre 1660

In der Nähe der Marienpforte steht: ANNO 1.6.1.0. BARTEL SCHMIDT TOBIAS GREIF HANS KRIMITZ (nach Belegen aus dem Ratsherrenverzeichnis handelt es sich hiebei um den Bürger Hans Krinitz)

Heidetor um die Jahrhundertwende

Eine der bedeutendsten Toranlagen der Stadt

Eine weitere Tafel unmittelbar an der Marienpforte: JOH. AUGUSTUS PRINCEPS ANHALTUS. MDCC XXXX (Sie sagt aus, das die Stadtmauer an dieser Stelle mit Wehrgang 1740 wiederhergestellt wurde)

Ein Stück weiter kommen wir zu der Stelle, an der 1626 Ernst von Mansfelds Truppen in die Stadt eindrangen.

Am Schluß finden wir noch in der Ankuhnschen Mühle zwei Sandsteine mit der Jahreszahl 1821. Sie weisen darauf hin, das zu dieser Zeit Stadtwälle eingeebnet und notwendige Reparaturen ausgeführt wurden.

Herrlich

fügen sich die alten, sehenswerten Kirchen in das Stadtbild ein: Im Hintergrund Anhalts größte Hallenkirche St. Nikolai, eine gotische Hallenkirche (12. Jahrhundert), welche mächtig in Erscheinung tritt.

Als man im 12. Jahrhundert von einer sich entwickelnden Stadt Zerbst sprach, gab es zugleich eine Vielzahl von historischen Quellen, die sich mit einem Stadtmauerbau beschäftigten. Das währte dann bis ins 14. Jahrhundert weiter.
Ein erster Hinweis auf eine Stadtmauer stammt vom 8. März 1299. Hier heißt es:” uspe ad molendinum prope murum et usque ad valvam bredetor!” Also es gab eine Mühle und ein Tor bei der heutigen Breite. Auch der einsetzende verstärkte Mauer und Turmbau am heutigen Heidetor war bestimmt unbedingt notwendig, da ja der vorgelagerte Raum ohne natürliche Hindernisse eine besondere Gefährdung für die Stadt darstellte.
Zum eigentlichen Innentor (das heutige Heidetor) gehörte neben der Zwingeranlage auch ein ebenfalls noch erhaltenes Außentor. Es liegt am äußeren Stadtgraben, der heute benannten Schützenhausnuthe. Einst eine doppelte Wallanlage mit einem zusätzlichen inneren Stadtgraben vervollständigten die Wehranlage unserer Stadt.
Aber um eine ordentliche Bewirtschaftung der umfangreichen Gesamttoranlage zu gewährleisten, gab es noch eine Anzahl von Geschossen und Räumen. Eine Wohnung für den Torschreiber und Torschließer in einem gesonderten Haus. Der Turm selbst hatte fünf Geschosse. Im erste Obergeschoss gab es seitliche Ausgänge, sie sind heute noch zu erkennen, gleichzeitig eine Stube für die Wachmannschaften.
Man kann sich auch vorstellen, dass hier eine Menge an Waffen und sonstigen Gerätschaften lagerte. Aus dem Jahre 1434 ist eine Grundausrüstung an Bewaffnung überliefert. Sie bestand aus:
Eine Wallbüchse mit 8 Schuss
Eine Handbüchse mit 15 Schuss
Eine Armbrust mit 2 Schock Pfeilen (1 Schock = 60 Stück)
Auch im Jahre 1623 wird eine städtische Artillerie mit 3 Geschützen genannt. Wo sie standen ist wohl heute nicht mehr nachzuvollziehen.
Mitglieder des Zerbster Heimatvereins werden Ihnen liebe Besucher noch vieles Weiteres und Fragen beantworten können.
Ein farbiger Grundriss der Anlage, der aufgestellt ist, wird bestimmt das Interesse der Gäste hervorrufen.

Zerbster Heimatverein e.V.

Die alte 4 km lange Wehrmauer hatte die Stadt Zerbst bis zur Zerstörung am 16. April 1945 fest umschlossen. Deren Anfänge gehen bis ins 11. Jahrhundert zurück. Stadtmauer "Am Plan" links 1939 und rechts 1998 Wehrgang ca. 1939 Das Ankuhnsche Tor hatte nur eine Durchfahrt. Heute erinnert nur noch ein Stück Mauer an das ehemalige Tor.

Kiekinpott 1998

Stadtmauer in Zerbst Nord um 1960 Wighaus um 1960 Stadtmauer 2005 Den sogenannten JUDENTURM (warum der so genannt wurde, weiß heute niemand mehr, hatte aber absolut nichts mit dem Judentum zu tun!) gibt es heute nicht mehr. Er befand sich in der Nähe vom Wegeberg/Töpfergasse, direkt an der Stadtmauer.

Ein Stück alte Stadtmauer

Ein Wintergruß aus dem alten Zerbst

(Heidetorvorplatz)